Drehtanz der Derwische: Mit den Füßen sehen lernen und dabei schwindelfrei bleiben

Seit Jahrhunderten ist für die tanzenden Derwische das Drehen um die eigene Achse ein Mittel, um im Rahmen des Sufismus, der islamischen Mystik, zu mehr Erkenntnissen über sich selbst zu kommen und sich mit dem Göttlichen zu verbinden.

Trancezustand

Tatsächlich führt längeres Drehen um die eigene Achse zu einem veränderten Bewusstseinszustand, häufig zu einer kinetischen Trance. Zeit- und Raumwahrnehmung verändern sich währendessen stark. Dabei werden die Sinne nicht ausgeschaltet, sondern im Gegenteil eher intensiviert. In diesem Trancezustand sind die Grenzen zwischen Bewusstsein und unbewussten Informationen und Impulsen durchlässig. Vergessenes und Verdrängtes kann leichter ins Bewusstsein gelangen, was wiederum neue Sichtweisen und Perspektiven eröffnet. Nicht zuletzt schult die Dreherfahrung die Achtsamkeit und damit eine wertfreie, mitfühlende Wahrnehmung, die bis in den Alltag hinein wirkt. Aus sufischer Sicht unterstützt die Trance des Drehtanzes die Heilung von Körper, Geist und Seele.

Steigerung der Bewegungseffezienz auch für andere Tanzstile

Darüber hinaus ist der Drehtanz auch ein sehr intensives Training zur Körperwahrnehmung. Da man sich auf einige Sinnesorgane, insbesondere die visuelle Wahrnehmung und das Gleichgewichtsorgan, nicht in gewohnter Weise verlassen kann, wird die Tiefensensibilität des Körpers besonders gut ausgebildet. Dies ist ein wichtiger Aspekt, dem auch beim Sema, dem traditionelle Drehtanzritual, große Bedeutung beigemessen wird. So wird gesagt, dass ein Derwisch „mit den Füßen sieht“, weil die Raum-Orientierung über die Fußsohlen erfolgt. Die Kontrolle des Körpers wird vom Kopf abgegeben und wird dem gegenüberliegenden Pol, den Füßen, übertragen. Sobald das gelingt, ist auch der Schwindel überwunden und man kann sich sehr lange drehen. Mit der Entwicklung dieser Tiefensensibilität, die auch als kinästhetischer Sinn bezeichnet wird, geht eine verbesserte Steuerung von Bewegungsabläufen einher, die die Bewegungseffizienz auch für andere Tanzstile verbessert.

Alle können das Drehen erlernen

Seit vielen Jahren praktiziere ich Drehtanz und erlebte dadurch nachhaltige Veränderungen in Bezug auf meine Persönlichkeit, meinen Körper und meinen Zugang zur Spiritualität.

Jede und jeder - egal welches Alter - kann den Drehtanz erlernen! Ich habe eine sehr sanfte Methode entwickelt, mit der ein leichter Einstieg in den Drehtanz möglich ist. Alle meine bisherigen TeilnehmerInnen, auch absolute AnfängerInnen, konnten spätestens am 2. Workshoptag mindestens 15 Minuten am Stück drehen.

Meine nächsten Termine:

in Wien: 22./23. September und 13./14. Oktober

in Graz: 10. November (eintägig)

Anmeldung & weitere Infos unter: www.juliafraunlob.at

Fotos by: Ulrich Gottlieb