Wer weiß schon, was der nächste Schritt bringt? Mit einem einzigen Schritt ändert sich plötzlich alles ...! Mir riss bei einem Tanzmeditations-Seminar die Achillessehne und katapultierte mich vom schwerelosen über den Boden schweben für die restliche Zeit des Seminars in den Rollstuhl.

Durch meinen mittlerweile schon längeren Yoga-Weg habe ich gelernt Dinge so anzunehmen, wie sie jetzt gerade sind, gar nicht viel mit der Situation zu hadern, sondern zu schauen, was ich dadurch Neues lernen, ausprobieren und erfahren darf.

Ich habe zuvor noch nie in einem Rollstuhl gesessen und ich stand vor der Wahl, sehe ich den Rest des Seminars zu oder probiere ich aus, was sich alles mit meinem momentanen Gefährt machen lässt. Immer mal wieder unterrichte ich das Warm-up in meinen Tanzabenden oder Workshops im Sitzen, um den Fokus zu ändern oder auch mal als Entlastung, weil ich das Gefühl habe, dass es der Gruppe guttut. Bisher habe ich solche Entscheidungen nach dem Gefühl entschieden, erstmals weil ich es musste!

Ein Rollstuhl als Teil des Kreises

Ich habe verschiedene Möglichkeiten am Seminar teilzunehmen ausprobiert. Eine war Teil des Kreises zu sein und selbst zu fahren, eine andere sich in die Mitte des Kreises zu stellen und nur die Gebärde zu machen und die dritte von jemand gefahren zu werden, wobei der Partner die Beine tanzt und ich die Arme.

Dani_und_Nadja

Es war eine tolle Erfahrung!!!!

Es ist natürlich immer vom jeweiligen Tanz und dem Tempo abhängig, was möglich ist und was nicht. Jede Variante hat ihre eigene Dynamik. Ich hatte die Tänze davor alle schon mit meinen zwei Beinen getanzt und so hatte ich einen guten Vergleich, ob ein Unterschied besteht, wenn plötzlich die Beine nicht mehr teilhaben können. Und ich muss gestehen, nein!!!

Ich habe für mich festgestellt: Solange das Herz tanzt, an Weite gewinnt, die Seele sich ausdrücken kann und man im Inneren das Gefühl unendlicher Weite und Größe hat, ist es nicht wichtig wieviel sich im Außen mitbewegt.

Mit dem Rollstuhl vom Partner gedreht zu werden und dabei die Arme als Verlängerung des Herzens weit zu öffnen, ist ein wunderbarer Impuls.

Weitergedacht

Diese Erfahrung hat mich dazu gebracht, ein bisschen weiter zu experimentieren und ich überlege, den Versuch zu wagen, mit Menschen mit und ohne Rollstuhl als eine harmonische Gruppe zu arbeiten. Ich würde es gern als Arbeitskreis sehen, in dem gemeinsam die Tänze erarbeitet und angepasst werden. Denn das geschieht durch den Beitrag jedes Einzelnen …

Das heißt, es würde mich interessieren, was andere von dieser Idee "Tanzmeditation inklusiv" halten!! Vielleicht gibt es ja Interessierte in der choretaki-Community, die sich mit mir diesem spannenden Thema annehmen wollen. Ich freue mich über Eure Kommentare! Um einen Kommentar zu schreiben, müsst ihr lediglich als User auf choretaki angemeldet sein.

Wie ging es meiner Partnerin?

Wie es Najda, die mir ihre Beine geliehen und den Rollstuhl bewegt hat, gegangen ist, schreibt sie in einem eigenen Beitrag.