Ägypten zwischen Tanz, Kultur und Natur - eine etwas andere Nilkreuzfahrt

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8. Februar 2013, Flughafen Wien um 7 Uhr früh, tiefster Winter. Die ersten Frauen erwarten mich schon, nach dem Einchecken unterhalten wir uns so angeregt, wie es die Uhrzeit zulässt. Das Enteisen des Flugzeugs geht schnell, nach 15 Minuten starten wir Richtung Luxor.

Am Flughafen in Luxor werden wir bei angenehmen 25 Grad von Brigitte, Mohamed und Awad schon erwartet und herzlich begrüßt. Brigitte und Mohamed haben die Reise organisiert und werden sich in der nächsten Woche mit viel Einsatz um alles Organisatorische kümmern. Awad, unser Reiseleiter spricht Deutsch und wird uns sowohl die Denkmäler und Tempel des alten Ägypten als auch das heutige Ägypten mit seinen quirligen Städten, den Märkten, seinen freundlichen Menschen, den Farben und Gerüchen näherbringen. So kann ich mich ganz dem Tanz und der Musik widmen.

Den kurzen Abstecher in den duty-free-shop hätten wir uns sparen können. Der Wein, den wir dort vorsorglich mitnehmen, bleibt fast zur Gänze ungetrunken. Ein typischer Minibus bringt uns dann durch die laue Nachmittagsluft an das Ufer des Nils. Dort erwartet uns bereits ein Taxiboot mitsamt einigen freundlichen Crew-Mitgliedern, die uns zu unserem Heim für die nächste Woche, der Dahabiya Nile Heaven II, bringen. Unser Gepäck wird vor unseren Augen in ein separates Boot gepackt. Leichte Unsicherheiten (wo fährt mein Koffer jetzt wohl hin....) zerstreuen sich schnell.

Wir sind in guten Händen, an Bord und unter den aufmerksamen Augen der Schiffsbesatzung sind unsere Sachen sicher verwahrt.
Wir verlassen den am Ostufer des  Nils gelegenen Stadtteil mit seinem belebten Zentrum, der Corniche, dem Souk, seinen Händlern und Pferdekutschen, den Hotels und Kreuzfahrtschiffen und steuern auf das antike "Theben-West" zu, heute der ruhigere, ländlichere Teil der Stadt.

Während der Fahrt denke ich an Venedig. Zwischen den beiden Nil-Ufern herrscht Taxi- und Fährverkehr, die großen Kreuzfahrtschiffe liegen in Reihen nebeneinander, ein Durcheinander von Stufen und Stegen führt zu den Booten.

Zum Glück strecken sich uns überall helfende Hände entgegen und sichern den Weg über schwankende Bretter. Wasser ist zwar mein Element, Reinfallen möchte ich aber auch nicht. Auch wenn der Nil viel sauberer ist, als ich vermutet hatte. Als längster Fluss der Erde durchqert er Afrika vom Victoria-See bis zum zum Mittelmeer. (ca. 6.900 km lang, die Angaben variieren). Und Krokodile gibt es auch nur mehr oberhalb des Assuan-Staudamms.

Am Westufer erwartet uns die Dahabeya, wir werden mit Karkadé, einem köstlichen, aus Hibiskus-Blüten zubereiteten Tee-Getränk begrüßt, beziehen unsere Zimmer und fahren gleich los. Mehr von Luxor werden wir am Ende der Reise zu sehen bekommen.

Die Kreuzfahrt auf dem Nil hat begonnen, wir fahren flussaufwärts, Sanddünen und die Bergketten der Randgebirge im Hintergrund, üppige Vegetation und viel Grün im Vordergrund, eine Kulisse aus Dattelpalmen, typischen Häusern, im Wasser planschenden Kindern, badenden Eseln und Wasserbüffeln. Was für eine Entspannung, nichts als das Plätschern des Wassers gegen das Boot, ein leichter Luftzug - daran könnte ich mich gewöhnen.

Der erste Abend vergeht mit Eingewöhnen in die neue Umgebung, das Wetter ist frühlingshaft, der Winter liegt erst einige Stunden hinter uns. Ich freu mich auf eine ganze Woche mit Live Musik. Unsere erste Tanzstunde findet wegen starkem Wind unter Deck statt. Wir werden begleitet von Darabukka (Trommel), Duff (Rahmentrommel), Oud (Laute) und Nay (Bambusflöte). Ich bin etwas nervös, weiß zu Beginn nicht so recht, wie ich mit vier mir unbekannten Musikern, mit denen ich mich auch kaum verbal verständigen kann, tanzen und unterrichten werde. Meine Sorgen sind unbegründet und verflüchtigen sich rasch.

Ägyptische Musik und Ägyptischer Tanz gehören natürlich zusammen. Die Musiker begleiten meinen Tanz während der gesamten ersten Einheit und das ist wörtlich zu  nehmen. Ich habe zum ersten Mal das Gefühl, dass ich die Musik mache. Dieses Ineinanderfließen von Tanz und Musik verstärkt und verdichtet sich im Laufe der Woche. Nachdem wir uns aufeinander eingestimmt haben, wechseln die Rollen von Führen und Folgen. Die Musik führt uns ganz natürlich zum Tanz, alle Frauen bekommen immer wieder die Möglichkeit, mit der Musik zu improvisieren.

Die Kommunikation zwischen Tanz und Musik rückt in den Vordergrund, Tanztechnik und "richtig tanzen" in den Hintergrund. Immer wieder gibt es auch am Abend die Möglichkeit, einfach zur Musik zu tanzen. Manchmal schlüpft auch Awad ganz in die Rolle eines "Clubreisen-Reiseleiters" und übernimmt spontan die Abendunterhaltung - Lacherfolg garantiert.

Der erste Halt führt uns nach Esna am Westufer. Wir halten vor der Schleuse und besichtigen den Chnum-Tempel. Der liegt mitten im Stadtzentrum und ca. 9 neun Meter unterhalb des aktuellen Stadtniveaus. Chnum wurde hier als Schöpfergott verehrt, der Götter, Menschen und Tiere auf seiner Töpferscheibe erschuf - Die löwenköpfige Menhit und ihr Sohn Heka vervollständigen die Triade von Esna.

Im Souk gibt es dann Tee und Lemonensaft. Und natürlich die erste Einkaufsmöglichkeit - den Tüchern und Galabeyas ist schwer zu widerstehen. Die Schleusendurchfahrt verbringen wir unter Deck, es ist gar nicht so einfach, das Segelboot, das ja keinen weiteren Antrieb hat und bei Bedarf von Schleppbooten gezogen wird, durch die Schleuse zu manövrieren und erfordert viel Geschick von der Crew.

Besondere Erlebnisse gibt es immer wieder an ungewöhnlichen Anlegestellen. Unser Boot hat - anders als die großen Kreuzfahrtschiffe - die Erlaubnis, überall anzulegen. An einem wunderschönen Sandstrand, der uns beinahe glauben lässt, am Meer zu sein (wäre da nicht das gegenüberliegende  Ufer) wird uns in einer Strohhütte ein typisch nubischer Kaffee zubereitet. Mit Ingwer und Cardamom. Der Kaffe wird geröstet, gemahlen und gekocht.

Mit der dem Land eigenen Ruhe und Gelassenheit. Die Musiker und ein Teil der Crew schließen sich uns an. Als die Musik erklingt, kann ich nicht anders als mitzutanzen. Was für eine Atmosphäre - der Nil vor uns, das Palmendach über uns, Kaffeduft weht von der Kochstelle her.

Die Tage vergehen mit Tanz, Besichtigungen der Tempel in Edfu (Horus), Kom Ombo (Doppeltempel des Sobek und Horus) und des Horemheb-Tempels am Fuße eines Steinbruchs aus pharaonischer Zeit - Gebel Silsileh.

Daneben gibt es Zeit, einfach an Deck zu sein und die Landschaft mit ungekannter Langsamkeit an sich vorbeiziehen zu lassen.

Die hypnotisch wirkenden Gesänge der Muezzine umgeben uns immer wieder wie eine Klangwolke und schaffen eine beinahe mystische Stimmung.

Entspannung und Gelassenheit machen sich breit. Wir werden aufmerksam versorgt von der Schiffsbesatzung und genießen die hervorragende Küche von Sadan, unserem Koch.

Eines Morgens schau ich aus dem Fenster und sehe eine Wiese.

Es dauert einige Zeit, bis sich das Puzzle in  meinem Kopf zusammenfügt. Nein, unser Boot steht nicht auf der grünen Wiese, aber direkt daneben. Ich bin wieder erstaunt über den geringen Tiefgang der Dahabeya. Weil das Datum und die bisher vergangene Zeit perfekt zusammen passen, ist heute Kamelmarkt in Daraw.

Mit Tuck-Tucks (dreirädrigen, bunt bemalten Kabinenrollern) fahren wir nach Daraw, haben die Gelegenheit, den größten Kamelmarkt Ägyptens zu sehen und anschließend durch den Ort zu spazieren, Kaffee zu trinken und am Markt einzukaufen.

Vor Assuan legen wir an einer an einer ruhigen Stelle an, an der sich die Wüste in Form einer riesigen Sanddüne bis an den Nil drängt. Was für eine Aussicht - ein Berg Sand vor unserer Nase. Der Verlockung, durch den Sand zu klettern kann kaum eine widerstehen. Eine Mini-Wüstentour, die sich als anstrengender als vermutet herausstellt. Die Fahrt zum Aussuan-Staudamm beginnt auf unserem Schlepp-Boot, das uns ans andere Ufer bringt, mit dem Minibus fahren wir anschließend in die Stadt. Dabei wird klar, dass Assuan (Aswan) bereits mitten in der Wüste liegt.

Von hier erstreckt sich die arabische Wüste Richtung Osten und die Lybische Wüste nach Westen. Und auch die Anzahl der Strommasten verdichtet sich, je näher wir dem Staudamm kommen. Der hier erzeugte Strom wird über ganz Ägypten verteilt und deckt zeitweise bis zu 50% des Strombedarfs im Land. Wir überqueren den niedrigeren alten Staudamm, der schon 1902 in Betrieb genommen wurde und in erster Linie der Regulierung des Nil-Hochwassers diente. 1960 wurde mit sowjetischer Hilfe der Bau des Hochstaudamms begonnen, 1971 wurde er fertiggstellt. Wir stehen jetzt direkt auf der Staumauer, dahinter erstrecken sich die Weiten des Nasser-Sees. Ein Jahrhundert-Projekt, nubische Dörfer wurden abgesiedelt, ganze Tempelanlagen wurden mit Hilfe der Unesco Stein für Stein an höher gelegene Plätze gebracht, weil sie von dem sich aufstauenden Wasser des Nils bedroht waren. Weitere Ausführungen sprengen den Rahmen dieses Berichts, ein guter Startpunkt zum Weiterlesen für Interessierte: http://de.wikipedia.org/wiki/Assuan-Staudamm

Auch die Insel Philae, die einst den Tempel der Isis beherbergte, wurde überflutet - der Tempel wurde auf die höher gelegene Nachbarinsel Agilkia versetzt. Weil schon wieder Datum und Zeit zusammenpassen kommen wir zur deutschsprachigen Ausgabe der Ton-Licht-Show im Isis-Tempel zurecht. Mythologie und Geschichte werden auf eindrucksvolle Weise lebendig. Unseren Aufenthalt in Assuan beschließen wir mit einer Bootsfahrt durch die Lagunenlandschaft Aussuans, vorbei an berühmten Bauten wie dem Hotel Katarakt oder dem Grabmal des Agha Khan - und mit dem anschließenden Besuch eines nubischen Dorfs.


Die Tanz-Einheit am Abend findet mit veränderter Musik-Besetzung statt. Unser Oud-Spieler hatte sich bei der Ankunft in Assuan verabschiedet, Megahed an der Mizmar (Blasinstrument, der Oboe oder Klarinette ähnlich) kommt neu dazu, Stil und Stimmung in der Musik ändern sich. Die treibende Ghawazi-Musik fordert uns ganz. Zurück in Luxor wird unser musikalisches Ensemble noch ergänzt durch eine Rababa(1). Mizmar und Rababa zählen zu den antiken Instrumenten und verstärken mit ihren uralten Klängen die mystische Stimmung, die in Luxor mit seiner über 3000 Jahre alten Vergangenheit als spirituelles Zentrum des neuen Reichs immer wieder spürbar wird.

Nach einem Ausflug in den Ost-Teil der Stadt mit einer Besichtigung des Luxor-Tempels und natürlich einem Bazar-Besuch freuen wir uns auf das Abschlussfest am Abend. Die Kinder von Sadan und weiteren Verwandten von Mohamed tauchen auf, beteiligen sich aktiv am Tanz, genauso wie die gesamte Crew. Die Abreise am nächsten Tag kommt zu früh, Karnak, das Tal der Könige und viel mehr gäbe es noch zu sehen. Ich beschließe im nächsten Jahr wieder eine Woche länger zu bleiben. Da auch dieser Bericht irgendwo ein Ende finden muss, bleibt noch vieles ungesagt und unbeschrieben, über eine Fortsetzung denke ich noch nach. Hast Du aber Lust bekommen, Dich meiner nächsten Tanzreise anzuschließen, dann freu ich mich, von Dir zu hören!

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(1)Rababa: eines der ältesten Saiteninstrumente, ursprünglich z.B. aus einer halben Kokosnuss oder einem Schildkrötenpanzer, bespannt mit Schaf- oder Fischhaut und nur einer Saite, heute zwei Saiten, wird mit einem Bogen gespielt, kam über Andalusien nach Europa („Fiedel“), später Violine


weiterführende Links:
https://de.wikipedia.org/wiki/Assuan
http://de.wikipedia.org/wiki/Luxor
http://de.wikipedia.org/wiki/Kom_Ombo
http://de.wikipedia.org/wiki/Darbuka
http://de.wikipedia.org/wiki/Daf_%28Musikinstrument%29
http://de.wikipedia.org/wiki/Mizmar
http://www.dahabieh.net