Eine gerne benutzte Metapher für Tanzen ist "Kreise ziehen". Am Freitag (24.9.2021) hat sich diese Beschreibung wieder einmal bewahrheitet und mir einen getanzten Vormittag mit Evelyn (Evi) Torton Beck geschenkt. Am Donnerstag früh hatte Laura Shannon ein Mail mit der Ankündigung verschickt, dass Evelyn in Wien sein würde. Ich hatte vorher noch nie von ihr gehört, aber Lauras Empfehlung und ein Blick auf Evelyns Wikipedia-Eintrag weckten mein Interesse.

Evelyn Torton BeckAnlass für Evelyns Aufenthalt in Wien war die Verleihung des Ehrendoktorats der Universität für Musik und Darstellende Kunst Wien (mdw). Parallel arbeitet Florian Tanzer gemeinsam mit anderen Künstlern an einem filmischen Porträt über sie. 

Ich hatte keine konkreten Vorstellungen, was mich erwarten würde - hatte eher mit einer großen Gruppe gerechnet - und war umso überraschter, als unser Kreis nur aus sechs Frauen bestand, von denen ich keine kannte. Evi begrüßte mich herzlich, erkundigte sich vorher ich die Information hatte und als ich Laura erwähnte, war das nichtvorhandene Eis gebrochen. 

Tanzen mit Evelyn Torton Beck

Mit ihren 88 Jahren ist sie ein wunderbares Beispiel für die positive Wirkung des Tanzes. Auf meine Frage, warum sie Tanzkreise/Workshops anleitet, antwortete sie, dass sie damit die Tänze auswählen kann, die ihr gefallen. Nach der Einleitung "es gibt keine Fehler, sondern nur Variationen" tanzten wir an diesem Vormittag etliche ihrer Lieblingstänze.

Evelyn ist von der heilenden Wirkung der Tänze überzeugt und hat dazu auch geforscht und publiziert. Erst nach dem Workshop bin ich auf diesen interessanten Vortrag "Bringing Sacred Circle Dance to Multiple Communities" von ihr gestossen. Weitere Pubulikationen finden sich auf ihrer Homepage.

Das Besondere an diesem Vormittag war für mich, dass ich hier erstmals einen Menschen/Tanzleiterin getroffen habe, die sich - in meiner Wahrnehmung - nicht primär als Forscherin oder Vermittlerin der Tänze sieht, sondern die Tänze als Mittel/Instrument/Werkzeug für (persönliche) Veränderungen sieht und diese Wirkung erforscht. Ihr oben zitierter Vortrag beschreibt sehr anschaulich, was ich - seit die Kreistänze (mit all den unterschiedlichen Richtungen) in mein Leben getreten sind -, an mir und anderen beobachtet habe. 

Hoffentlich auf ein "wiedertanzen".

Ein großes Danke an Florian Tanzer für die Bilder.

Evelyn Torton Beck

 

 

Tanzgattung