Mitte SimmeringBachblütentänze sind getanzte Blütenenergien. In den Bachblütentänzen von Anastasia Geng fanden einfache Kreistänze aus der baltischen Folkloretradition und die Bachblütentherapie zusammen. Der englische Arzt Dr. Edward Bach hatte um 1930 eine für seine Zeit neue, revolutionäre Heilmethode geschaffen. Sie hatte ihre Wurzeln in einer uralten, auf Erfahrung und Inspiration beruhenden Heiltradition seiner walisischen Ahnen. Edward Bach fand 38 wild wachsende Pflanzen, deren Schwingungen die seelische Gesundheit fördern und damit körperlichen Erkrankungen vorbeugen. Den Bachblüten wurden von der lettischen Tanzpädagogin Anastasia Geng Kreistänze zugeordnet, die wie die Bachblütenessenzen harmonisierend auf Körper, Seele und Geist wirken.

Anastasia Geng (1922 - 2002) hatte lettische und deutsche Vorfahren. Sie verbrachte in Lettland Kindheit und Jugend und blieb Zeit ihres Lebens mit ihrer lettischen Heimat eng verbunden. Die Folklore - die traditionellen Dainas, Tänze, Märchen und Mythen - waren eine Kraftquelle, die dem lettischen Volk half, trotz jahrhundertelanger Fremdherrschaft ihre Eigenständigkeit und ihre geistigen Werte zu bewahren. Dainas sind Lieder, die viele Jahrhunderte mündlich überliefert wurden. Erst im 19. und 20. Jahrhundert wurden sie aufgeschrieben. Aus dieser ergiebigen Quelle schöpfte auch Anastasia für ihr tänzerisches Werk, das neben den Bachblütentänzen, auch Tänze zu Marienliedern, Heilkräutern, Bäumen, Edelsteinen und Mondphasen umfasste. Ein Werk, das ihre Verbundenheit mit ihrer Heimat, ihre tiefe Liebe zur Natur und letztlich zu Gott zeigt.

Nach dem 2. Weltkrieg kam Anastasia nach Deutschland. Nachdem sie Ende der 70er Jahre bei verschiedenen LehrerInnen den meditativen Tanz nach Bernhard Wosien kennengelernt hatte, gründete sie mehrere Tanzgruppen und begann von der baltischen Folklore inspiriert auch eigene Tänze zu kreieren.

Als Anastasia mit den Bachblüten vertraut wurde, entdeckte sie energetische Übereinstimmungen einiger ihrer Tänze mit den Blütenessenzen des Dr. Bach. Durch glückliche Fügungen, Hinweise von TeilnehmerInnen ihrer Gruppen und ihre Intuition erkannte sie, welche Tänze zu der jeweiligen Bachblüte passen. Im Laufe einiger Jahre ordnete sie schließlich allen 38 Bachblüten einen Tanz zu und schuf damit den Zugang zu den Botschaften der Bachblüten auf einer neuen, tieferen Bewusstseinsebene. Die Musik zu den Tänzen stammt aus dem Baltikum, aber auch aus anderen europäischen Ländern, wie dem ehemaligen Jugoslawien, Tschechien, Irland, um nur einige zu nennen.

Ermutigt durch die Bestätigung der Bachblüten-Expertin Mechthild Scheffer veröffentlichte Anastasia Geng die Beschreibungen und die Geschichte der Bachblütentänze in ihrem gleichnamigen Buch. Dort ist sehr gut zu erkennen, wie sich manche Tänze mit der Zeit weiterentwickelt haben und Anastasia mit wachsender Bachblüten-Erfahrung die Choreografien noch mehr an die Themen der einzelnen Blüten angepasst hat. Ein schönes Beispiel dafür ist der Tanz für Water Violet – Kommunikationsblüte (Bach-Blüten-Tänze, 3. Auflage, S. 121): Während die ursprüngliche Version ohne Handhaltung auskommt, werden in der geänderten am Ende jeder Strophe Tore gemacht, was als Ausdruck für mehr Nähe und Gemeinsamkeit angesehen werden kann.

Bis zu ihrem Schlaganfall 1997 unterrichtete Anastasia ihre Tänze in Deutschland, in der Schweiz und in Österreich. Als ihre langjährige Schülerin und Mitarbeiterin führte Marianne von Schwichow ihr Werk weiter und bewahrte Anastasias Erbe, indem sie die Tänze originalgetreu weitergab, nachgelassene Tanzbeschreibungen und Texte ordnete und zu Broschüren zusammenstellte. 2019 zog sich Marianne aus Altersgründen vom Unterrichten zurück und beauftragte Brigitte Kamenski und mich, die Bachblütentänze in ihrer Originalform weiterzugeben.Clematis

Das Buch „Bach-Blüten-Tänze“ und ganz besonders die DVD tragen viel dazu bei, dass die Tänze in der Originalform erhalten bleiben. Sie sind eine gute, stabile Basis für die Zukunft. Mit Marianne als Tanzleiterin, einem professionellen, einfühlsamen Film-Team und vielen engagierten Tanzfrauen und Helfern ist es uns 2012 gelungen, alle Originaltänze samt Variationen in einem Film, der ihre besondere Energie vermittelt, festzuhalten. Das gibt Klarheit und Sicherheit, die ich beim Weitergeben der Tänze sehr zu schätzen weiß.

Wie kam ich zu den Bachblütentänzen? Mitte der 80iger Jahre kamen Seelenpflanzen des Dr. Bach in Form der Notfalltropfen und einem kleinen Buch in mein Leben. Eine Freundin, die damals Medizin studierte, beschäftigte sich schon zu dieser Zeit intensiv mit den Blütenessenzen. Durch die Mischungen, die sie für mich zusammenstellte, erlebte ich die hilfreiche Wirkung an mir selbst und wollte mehr darüber wissen. Ich las Bücher, besuchte Seminare und wendete das erworbene Wissen erfolgreich für mich, meine Familie und im Freundeskreis an. Seit 2005 arbeite ich mit Bachblüten in meiner energetischen Praxis.

Als ich 2003 mit der Ausbildung "Original Bachblüten-Therapie“ bei Mechthild Scheffer begann, erfuhr ich zu meinem Erstaunen, dass es zu jeder Bachblüte einen Kreistanz gibt, der dieser energetisch entspricht. Ich hatte in meiner Schul- und Studienzeit Paartanzkurse besucht, aber Kreistänze waren mir völlig fremd. Da mich alles, was mit Bachblüten zu tun hatte, faszinierte, wollte ich die Tänze möglichst rasch kennenlernen. Zu meinem Glück wurde ich bald in Wien fündig und das Kreistanzen ließ mich seither nicht mehr los. In den Jahren 2005 bis 2007 besuchte ich bei Marianne von Schwichow die Ausbildung Bachblütentänze in Augsburg, wo ich auch meiner Kollegin Brigitte begegnete.

TanzgruppeIn unseren Ausbildungen geben wir die Bachblütentänze in der Form weiter, wie wir sie bei unserer Lehrerin gelernt haben. So behalten sie ihre Kraft. Gerade bei diesen Tänzen ist es wichtig, sie nicht nach Belieben zu verändern. Denn schon durch kleine, scheinbar unwichtige Abweichungen kann ihre Energie ganz anders werden und es kann geschehen, dass der Tanz nicht mehr zur jeweiligen Blüte passt. Eine Veränderung der Choreografie, die dem Wesen der jeweiligen Bachblüte gerecht wird, braucht sehr viel Erfahrung sowohl mit Kreistanz als auch mit den Blütenessenzen. Andererseits sind Bachblütentänze sehr tolerant, was Abweichungen betrifft. Ihre Choreografien geben uns einen großen Spielraum für unser eigenes Spüren und unseren individuellen Ausdruck. So wie die Blütenessenzen laden sie uns ein, unsere eigenen Erfahrungen zu machen.

In Anastasias Tanzanleitungen und anderen Texten ist sehr oft der Satz zu lesen: „Wenn ihr den Tanz weitergebt, sagt, woher ihr ihn habt.“ Das war Anastasia ein besonderes Anliegen. Ich verstehe diesen Satz als Auftrag, sorgsam mit den Tänzen umzugehen. Wenn wir Informationen über ihre Herkunft haben – das wird in vielen Fällen nicht oder nur zum Teil möglich sein – können wir unsere Dankbarkeit und Wertschätzung den Menschen erweisen, die Anteil an der jetzigen Form haben und auch die Kulturen würdigen, in denen der Tanz seine Wurzeln hat. 

Nach dem Motto „Der Tanz gehört dir“ steht es natürlich jedem frei, etwas Neues aus einem bestehenden Tanz zu machen. Das gilt auch für die Bachblütentänze. Leben ist Veränderung und Tanzen als Teil des Lebens auch. Brigitte und mir ist es ganz wichtig, einen veränderten Tanz nicht mehr als Bachblütentanz von Anastasia Geng zu bezeichnen und strikt zu trennen, was von Anastasia und was unser eigener Anteil ist.

Mit den Jahren erschließen sich mir die Bachblüten und auch die Tänze auf eine immer tiefere Weise. Ich gewinne neue Erkenntnisse und meine Betrachtungsweisen ändern sich. Nach meiner Bachblüten-Tanzausbildung habe ich bei Marianne Heilkräuter- und Baumtänze und Tänze zu Marienliedern gelernt. Andere Seminare und Kurse bei anderen TanzleiterInnen kamen dazu. Es macht mir auch viel Freude in Gruppen meiner KollegInnen mitzutanzen. So lerne ich vieles kennen.

Manchmal erinnern mich Musikstücke an eine bestimmte Bachblüte oder an die Themen dieser Blüte. Ein anderes Mal sind es die Tänze, bei denen ich aufgrund ihrer Choreografie einen Bezug zu einer Blüte wahrnehme. Manchmal so stark, als wäre dieser Tanz extra dafür geschaffen worden. Bis jetzt haben sich auf diese Weise einige neue Tänze zu den Original Tänzen gesellt. Da ein Tanz fast nie alle Aspekte einer Bachblüte abdecken kann, stellt ein neuer für mich, meine TänzerInnen und letztlich auch für die Blütenenergie selbst eine Bereicherung dar. Diese kann sich dadurch noch vielfältiger ausdrücken.star-of-bethlehem

Es war vor etlichen Jahren in der Weihnachtszeit, als ich das alte englische Weihnachtslied „What Child Is This“ hörte. Es berührte mich so sehr, dass ich es ständig anhören wollte. Irgendwann begann ich, dazu den Tanz für Star of Bethlehem zu tanzen. Das Lied war wie geschaffen dafür. Eine kleine Änderung in der Choreografie war nötig und dann passte alles wunderbar. Ich tanzte Star of Bethlehem viele Male hintereinander. Je öfter ich tanzte, desto mehr Bilder und Erinnerungen an ein längst vergessenes traumatisches Erlebnis tauchten auf. Trauer kam hoch, aber auch ein schönes, warmes Gefühl des Trostes und schließlich Erleichterung. Für die LeserInnen, denen die Bachblüten nicht vertraut sind: Star of Bethlehem hilft beim Verarbeiten von traumatischen Erlebnissen und spendet Trost. Auch wenn der Prozess sehr intensiv und nicht immer angenehm war, spürte ich dankbar seine heilsame Kraft. Seither tanze ich in der Vorweihnachtszeit mit meinen Gruppen “Star of Bethlehem“ auch zu diesem schönen Weihnachtslied.

Im Normalfall kommt es beim Tanzen zu keinen Reaktionen, da wir jeden Tanz nur zwei- oder maximal dreimal in der Gruppe tanzen, deren Energiefeld noch dazu stabilisierend auf die einzelnen TänzerInnen wirkt. Möglicherweise fühlt sich jemand besonders von einem Tanz berührt, wenn die Thematik einer Blüte aktuell oder latent vorhanden ist. Es braucht sich auch niemand Sorgen zu machen, eine Blüte zu tanzen, die nicht passt. Wie beim Einnehmen einer nicht passenden Essenz geschieht energetisch gar nichts. Wir können einfach die gemeinsame Bewegung zur Musik genießen.

CeratoBachblütentänze schenken uns Bilder und Symbole, die uns nicht nur im Tanz, sondern auch in unserem täglichen Leben stärken, wenn wir das wollen. Viel Lebensweisheit ist in den überlieferten Formen enthalten. Diese können uns Schutz, Orientierung und auch den einen oder anderen praktischen Hinweis für unser Leben geben.

In Lettland sagt man, dass es keinen Tanz gibt, der nicht schon getanzt ist. "Neue Tänze bekommen wir nur durch neue Choreografien, die wir aus alten Formen und Bildern machen", schrieb Anastasia Geng im Vorwort zu ihrem Buch „Bach-Blüten-Tänze“. Mein Anliegen ist es, auf dem sicheren Boden der Tradition der Veränderung achtsam Raum zu geben.

 

Quellen:
Buch „Bach-Blüten-Tänze“ von Anastasia Geng, Natura Med Verlag
Broschüre über das Leben von Anastasia Geng von Marianne v. Schwichow

Die DVD “Bachblütentänze“ ist erhältlich bei Magdalena Frey, E-Mail: bachflowerdances@gmail.com.

Informationen über Bachblütentänze unter www.bachbluetentaenze.at.

Dieser Beitrag erschien in "Neue Kreise Ziehen" - Fachzeitschrift für meditativen & sakralen Tanz 1/2023.

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