DELPHI – Begegnungen im Tanz

 

Delphi-Ansicht

 

Ausblick

In den Mythen jeder Kulturepoche begegnen wir seelischen Projektionen als bildhafte Wahrnehmungen der äußeren Erscheinungswelt. Die so entstandenen Gottes-Bilder bezeugen jeweils nur zeitbedingte Offenbarungen des Göttlichen. Deshalb rät uns die Stimme der delphischen Pythia:

Metanoeite – Ändert euren Sinn!

Im Spiegel der Träume, als der Erfahrungswelt eines persönlichen Mythos, können die Möglichkeiten der Seele neu aufscheinen, um den Abbau all dessen zu verwirklichen, was die Seele im Lauf der Zeit zunehmend belastet – aber auch was für jeden Menschen als potenzielle Reife erreichbar ist.

Im Tanz als Meditation, als einem Zu-Fuß-unterwegs-Sein zu sich selbst, ist für den Tanzenden die Übung des Ganz-gegenwärtig-Seins gegeben. In der Einheit von Kopf, Herz und Fuß, mit dem entscheidenden Schritt der Umkehr hin zur Mitte, als der Essenz aller Wandlung, ist die Verwirklichung des lichtvollen Augenblicks möglich, der kraft seiner Präsenz die Konturen eines neuen Seelenkosmos aufleuchten lässt.

Die delphischen Tempelweihen lehrten den «Schlangenweg» als Übungsweg: Mit jedem Kreuzschritt belebt die «Schlange» den Tanzenden, indem sie sich an der Wirbelsäule auf- und abwindend um die Energiezentren (chakras) des Körpers den Weg bahnt. Dabei ist die «Schlange» Lichtträgerin, während sie sich auf ihrem Weg über die Energiezentren wandelt. Durch diese innerliche Schlangen-Begegnung ist ihr Licht-Energiepotenzial immer neu erfahrbar. Als Übungsweg ist er auch das Sinnbild für die Sonnenbahn mit ihrem spiralförmigen Auf- und Niedergang im Jahreskreis.

Im antiken Griechenland war er der irdische Nachvollzug des Himmelsweges und der Präsenz des delphischen Apollon. Im Schlussbild unserer Erzählung (Tanzszene 7) offenbart der durch seinen Dienst an der Urmutter Erde geläuterte Phanes-Eros-Python sein innerlich verwirklichtes schöpferisches Licht-Potenzial und wird so im Tanz zum Partner der Terpsichore.

Bewegungsbilder sind Schlüssel, um durch den Tanz bestimmte Erinnerungsräume zu erschließen und miteinander zu verbinden. Gottes- und Göttervorstellungen kommen und gehen: Das Leben ist die Bühne, auf der alle göttlichmenschlichen Charaktere ihre Auf- und Abtritte haben (vgl. Shakespeare «Ein Sommernachtstraum»). Das westliche Bewusstsein hat den lebendigen Schöpfergott zur Abstraktion reduziert, das Körper und Umwelt als getrennt erleben lässt. Eine durch den Tanz verlebendigte Erlebniswelt erschafft neue Impulse, welche die Möglichkeit bieten, den rational analysierten und theologisierten Mythos zu überwinden.

Maria-Gabriele Wosien 2022

 

 

Delphi Cover-neu

 

DELPHI – BEGEGNUNGEN IM TANZ

Das Projekt lädt ein zu einer Neubegegnung mit den Göttern des antiken DELPHI um deren zeitlose Präsenz im Tanz zu feiern. Diese Gottheiten bestimmen unser Leben von ihren Positionen am Sternenhimmel noch heute und sind als psychologische Faktoren in unserem Leben wirksam.

Die gleichnamige Publikation (Buch, DVD) erscheint im September 2022 im Metanoia-Verlag. Für Vorbestellungen bitte hier klicken