Statt wie sonst üblich viel auf Reisen zu sein, ist mein Aktionsradius durch die Corona-Maßnahmen nun sehr eingeschränkt, was ich mit einer gewissen Resignation ertrage. In meinem Seniorendasein mache ich das Beste aus der Situation und betrachte das Zuhausesein zum Glück nicht als Strafe. Ich habe viel Zeit, um in Themen, die mich interessieren, einzutauchen, zu recherchieren und - wenn ich Lust dazu habe - darüber zu schreiben. In diesen Corona-Zeiten sitzen wir alle im selben Boot. Ich kann also davon ausgehen, dass es mehr Menschen wie mich gibt, die ihre Zeit zu Hause damit verbringen, Informationen zu sammeln, Musik zu hören, zu lesen, usw. Ich lese nicht, was Befürworter und Gegner der Corona-Maßnahmen in den sozialen Medien zu sagen haben. Es macht mein Leben nicht glücklicher und es wird die Situation sowieso nicht ändern.

So tauchte ich mit großer Freude in das "erhebende" Phänomen des Totentanzes ein. Während des Tanzgeschichtsunterrichts an der Rotterdam Dance Academy hat uns unsere Lehrerin Corrie Hartong eine faszinierende Geschichte über die Geschichte des Tanzes erzählen. Corrie Hartong war eine Frau mit einem unglaublich breiten Wissen über alle möglichen Formen des Tanzes. Ich erinnere mich noch sehr gut, wie sie über das Phänomen des Totentanzes sprach. Aktueller Anlass, warum ich mich jetzt mit dem Thema beschäftige war der Film "Das siebte Siegel" von Ingmar Bergman aus dem Jahr 1957, in dem in einer Szene am Ende ein Ritter mit dem Tod Schach spielt. Auch die Choreographie "Der grüne Tisch" von Kurt Jooss, die den Untertitel "Totentanz in acht Bildern" trägt, tauchte auf und ich finde sie immer noch beeindruckend, ebenso wie den Liederzyklus "Lieder und Tänze des Todes" von Mussorgsky. Und jetzt bin ich beim Surfen im Internet auf unglaublich viele mittelalterliche Bilder über den Totentanz gestoßen.

Totentanz1Frühe Auseinandersetzungen mit dem Tod und die Zeit der Pest

Man könnte sagen, dass der Tod eines der häufigsten Themen in Literatur und Kunst ist. Schon seit prähistorischen Zeiten setzten sich die Menschen mit dem Tod und seiner Darstellung auseinander. Kein Wunder, denn der Tod ist ein unausweichlicher Teil des Lebens. Wenn es eine Gewissheit in unserem Leben gibt, dann ist es die Tatsache, dass jeder eines Tages sterben wird. Wann und wie dies geschieht, bleibt bis zum Zeitpunkt des Todes unbekannt.

Ende des vierzehnten Jahrhunderts tauchten Bilder auf, die die Menschen auf den Tod vorbereiten sollten. Es entstanden verschiedene Arten, die Angst vor dem Tod darzustellen und sich auf ihn vorzubereiten. Beispiele sind Grabdenkmäler und Darstellungen des Jüngsten Gerichts. Der Totentanz, der im späten vierzehnten Jahrhundert entstand, ist ein weiteres Beispiel. Es war die Zeit, als die Pestepidemie dreißig Prozent der Bevölkerung auslöschte. Der Schwarze Tod hatte die Gesellschaft fest im Griff. Massensterben und Todesangst prägten den Alltag in dieser Zeit. Im christlichen Europa des Mittelalters herrschte die Vorstellung, dass Christen auf den Moment des Todes vorbereitet sein sollten, um in den Himmel zu kommen. Durch Texte und Bilder, darunter der Totentanz, wurden die Menschen zu einem guten, sauberen und christlichen Leben ermutigt. Man ging davon aus, dass diejenigen, die diesem Beispiel folgten, nach dem Tod in den Himmel kommen würden.

Veitstanz

Bei meiner Suche nach Beschreibungen von Totentänzen bin ich auf den Begriff Veitstanz gestoßen. Der Veitstanz ist in der medizinischen Fachwelt als Chorea von Sydenham oder Chorea minor bekannt. Es handelt sich um eine Gehirnstörung bei Kindern (meist Mädchen), die durch Streptokokken verursacht wird. Es zeigt ein neurologisches Syndrom, bei dem der Patient ruckartige (oder tanzende) Bewegungen mit Gliedmaßen und Gesicht macht. Diese Krankheit kann einige Wochen, manchmal aber auch länger, bis zu etwa einem Jahr, andauern. Danach verschwinden die Symptome. Die ruckartigen Bewegungen entstehen, weil die Antikörper, die die Infektion bekämpfen, auf das Gehirn einwirken. Es ist bekannt, dass diese Erkrankung in früheren Jahrhunderten seltsame Szenen verursachte, bei denen viele mitmachten. Es wurden lange Tanzsitzungen beschrieben, bei denen die Menschen Hand in Hand in einem Kreis oder Reihe tanzten und in einen Schock oder eine Trance verfielen. Die Verbreitung dieser Tanzmanie löste Angst und Schrecken aus. Aus einigen Dokumenten geht hervor, dass sich Hunderte von Tänzern gleichzeitig dieser Tanzmanie hingaben. Könnten Sie die folgende historische Beschreibung des Veitstanzes als ein Beispiel für einen Totentanz betrachten?

Veitstanz

Am 24. Juni 1374 kam es in Aachen zu einem der ersten großen und plötzlichen Ausbrüche einer rätselhaften Krankheit: dem Veitstanz, auch bekannt als Tanzpest oder Tanzwahn. Eine große Gruppe von Menschen begann zu halluzinieren und machte ruckartige, tanzähnliche Bewegungen. Die Tanzepisode endete in völliger Erschöpfung, woraufhin die Menschen zu Boden fielen und einige sogar starben. Diese Tanzmanie verbreitete sich in den folgenden Jahrhunderten in ganz Europa. Die Epidemie begann in der Zeit, als der Schwarze Tod in Europa wütete. Wegen der heftigen tanzähnlichen Bewegungen während der Anfälle wurde die Krankheit nach dem Heiligen Veit benannt, dem Schutzpatron u.a. der Sänger und Tänzer und wurde zur Heilung von Epilepsie angerufen.

Mittelalterliche medizinische Forschungen zum Veitstanz

Die ersten medizinischen Forschungen über diese Tanzmanie begannen im sechzehnten Jahrhundert und wurden von Paracelsus durchgeführt. Er teilte den Veitstanz in drei Typen ein: den Tanz, der der Phantasie entspringt (Chorea imaginativa), den Tanz, der den sinnlichen Bedürfnissen und dem Willen entspringt (Chorea lasciva) und den Tanz, der den physischen Ursachen entspringt (Chorea naturalis). Die Ursache der Tanzmanie ist Gegenstand vieler Diskussionen. Experten weisen darauf hin, dass große psychische Anspannung einen Trancezustand hervorrufen kann. Die Ausbrüche des Veitstanzwahns folgten in der Regel auf eine Katastrophenperiode in einer Region und könnten daher der Grund für die massiven Halluzinationen sein. Tief verwurzelter Aberglaube und Gerüchte über die Tanzmanie ermöglichten auch neue Epidemien des Tanzwahns. In den folgenden Jahrhunderten war die Veitstanzplage nur noch sporadisch vorhanden und Mitte des siebzehnten Jahrhunderts war Europa frei von dieser bizarren Epidemie.

Im Mittelalter, als dieser Tanzwahn umging, waren die Möglichkeiten der Ärzte noch sehr begrenzt. Im Allgemeinen gingen die Ärzte davon aus, dass die Grundlage eines gesunden Menschen ein Gleichgewicht der Körperflüssigkeiten ist. Diese Flüssigkeiten waren Blut, gelbe Galle, schwarze Galle und Schleim. Nach Ansicht der Ärzte wurden Krankheiten durch ein Übermaß oder einen Mangel an einem der Säfte verursacht. Daher rührt die Idee der Venesektion. Jemand ist krank, weil er zu viel Blut hat, so dachte man. Durch das Ablassen von Blut würde der Patient wieder gesund werden. Sie können das Gleichgewicht aber auch durch Verhalten wiederherstellen. Die Pest, der Schwarze Tod, verursachte bei den Betroffenen schwarze Beulen. In den Augen der mittelalterlichen Ärzte lag also eindeutig ein Überschuss an schwarzer Galle vor. Die schwarze Galle wurde mit Temperamenten wie Depression und Niedergeschlagenheit in Verbindung gebracht. So glaubten die damaligen Ärzte, dass man sich vor der Pest schützen kann, indem man fröhlich ist. Deshalb gingen die Menschen regelmäßig singend und tanzend auf die Straße, um den Schwarzen Tod zu überlisten und sich nicht anzustecken. Die Beerdigung der Opfer des Schwarzen Todes rief starke Emotionen hervor. Diese Emotionen wurde durch Tanzen ausgedrückt. Diese Tänze begannen meist auf dem Friedhof. Die Leute führten ekstatische Tanzbewegungen auf den Gräbern des Friedhofs auf, sangen krude Lieder und machten obszöne Gesten. Eine Beschreibung aus dem deutschen Rheintal beschreibt eine Gruppe von Menschen, die aus Verzweiflung von Stadt zu Stadt tanzt. Überall machten die Menschen mit und tanzten hysterisch, bis sie vor Erschöpfung tot umfielen. So viel zu dieser Beschreibung. Ob rasendes Tanzen gegen eine Krankheit wie die Pest half, ist zweifelhaft. Aber der Veitstanz und die Totentänze in der Geschichte können als eine sehr frühe Form der Tanztherapie angesehen werden. Ein berühmtes Zitat von Sonia Gaskell in einem Interview vor langer Zeit lautete: "Leben ist Bewegung und sich nicht zu bewegen ist Tod. Aber wir sind nicht tot, also bewegen wir uns. Und Tanz ist Bewegung." Fazit: Wer tanzt, lebt.   
 

Hennie Konings, Rotterdam
Übersetzt aus dem Niederländischen mit www.DeepL.com/Translator, bearbeitet von Beate Stipanits

Bildnachweise:
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